Winter-Nase

Wenn die Luft kalt ist rieche ich alles viel besser und es verwirrt mich. Nur ein Beispiel: Auf dem Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit riecht man die Abgase sofort. Ich kann sogar Diesel und Benzinmotor, neues und älteres Auto vermutlich am Geruch unterscheiden (etwas Training wäre notwendig). Im nächsten Moment riecht es aber dann köstlich nach frischen Brezn oder Rosinensemmeln. Das ist dann der Moment, an dem ich mich verwirrt umschaue und frage: Wo ist hier denn ein Bäcker. Vermutlich könnten so, neue, köstliche Geschäfte erschlossen werden. Ich fahre aber weiter. Keine Entdeckung heute, nur Freude über den Geruch.

Ein kleiner Spaziergang durch das Viertel kann zur verwirrenden Geruchsprobe werden. Alles was die Stadt zu bieten hat auf 500 Schritte: Pizza (biologischer Hefeteig, biologischer Belag) in der Seitenstraße, Espresso (oder wahlweise Cappuccino) daneben. Dazwischen der Bäcker und Parfum, einer Person, die an mir vorbei geht. Überhaupt: Menschengerüche. Interessant: Wie sie wohl zustande kommen? Wieso riecht eine Person nach ranziger Süßrahmbutter, die andere aber wie nach einem frischen Bach im plätschernden Gebirgsbach.

Folgende Spaziergänge für Winter-Nasen kann ich empfehlen:

Mailingerstraße – Rotkreuzplatz über Blutenburgstraße

Herkomerplatz – Englischer Garten – Universität

Josephsplatz – Augustenstraße – Königsplatz

Ostbahnhof – Bordeaux-Platz-Wiener Platz

und für ganz krasse Typen: Stachus – Kaufinger Straße – Viktualienmarkt – Gärtnerplatz