Stella. Eine Skizze von Takis Würger

Dieses Buch hat der Verleger u.a. auf einem Vulkan gelesen. Zumindest wenn man seiner eigenen Aussage im Nachwort des Romans glaubt. Ich selbst habe den Text auf einem Lavafeld gelesen.
Wenn ich die eine oder andere Besprechung lese, die in den vergangenen Tagen dazu veröffentlicht worden sind, habe ich den Eindruck, dass der Standpunkt, von dem aus Stella gelesen wird vielleicht entscheidend für den Eindruck ist, den das Buch hinterlässt.

Mein Lavafeld zumindest war sehr ruhig und zufrieden. Die Wellen rauschten, ich las das Buch. Dabei war meine Erwartung am Vorgängeroman Der Club ausgerichtet: Unterhaltung mit Tiefgang. Ein Buch, das mich inspiriert und über das ich mit anderen sprechen kann, ohne dass alle in der Runde mehrere Semester Literaturwissenschaft studiert haben müssen.

Zur Handlung möchte ich an dieser Stelle nicht besonders viel sagen, dazu gibt es denke ich Netz genug Zusammenfassungen. Mein Eindruck beim Lesen war ohnehin der, Takis Würger bei einer Skizze zuzusehen. Ausgehend vom dunkelsten Punkt beleuchtetet die Handlung verschiedene Grautöne und überlässt deren Bewertung den Leserinnen und Lesern; die Hauptpersonen erscheinen bis auf wenige Szenen dabei seltsam gleichgültig bzw. mit ihren Rollen verhaftet. Eher eben wie eine Kohleskizze – ein erzählerischer Versuch mit Worten mehr auszusagen, als Buchstaben möglich machen.
Vor der Lektüre war ich mit der Geschichte von Stella Goldberg, die Takis Würger aufgreift, nicht vertraut. Dies ist vielleicht der Grund dafür, weshalb ich den Roman besser fand als andere mit entsprechendem Vorwissen, mit denen ich über das Buch redete. Denn genau diese Geschichte ist der dunkelste Punkt im Roman – vereinfacht gesagt: eine Jüdin, die Juden verrät. Von dort ausgehend kontrastiert der Autor seine Figuren und ihre Handlungen.

Ist das die verschriftlichte Instagrammisierung von Verbrechen und Schuld, wenn der Roman in griffigen Absätzen seine Graustufen aufmalt, um am Ende zu konstatieren Liebe sei doch größer. Ein Herz für den dunkelsten Punkt, die letzte Graustufe in diesem Roman?
Es hängt eben vom Standpunkt ab, wie dieser Roman wirkt. Ich selbst fand ihn unterhaltsam, teils spannend, verstörend oder irritierend und als in seiner Form erzählerisch interessant. Im Anschluss an die Lektüre wäre ich nicht überrascht gewesen, wenn Takis Würger als Zusatzmaterial zum Roman noch einige weitere Skizzen zur selben Handlung online Angeboten hätte, um die verschiedenen Perspektiven der weiteren Betrachtung zu öffnen: Andere dunkle Punkte, andere Sichtweisen und andere Personen zum Beispiel.
Dies geschieht nun aus meiner Sicht durch die Besprechungen in Zeitungen und Blogs. Mir persönlich gefällt das, denn damit gelingt Stella etwas, was aus meiner Sicht zu wenigen Büchern zuteil wird: Es wird über sie gesprochen.