Hotel Schreibtisch

Ich schreibe gern an Hotelschreibtischen wie an diesem. Links von mir eine schummrige Lampe mit einer Flasche Wasser darunter. Vor mir die Tapete mit kleinen Mustern, vielleicht Blumen? Rechts von mir das Fenster – drei Meter hoch mit schweren Vorhängen. Draußen: Die Stadt mit ihren Büdchen, Geschäften, Bahnen, Häusern und Fenstern. Hinter mir der Rest des Hotelzimmers: Bett, Nachtkästchen mit Buch und einer weiteren kleinen Lampe. Über mir der Stuck, herrlicher Stuck dieses Zimmers.
Deutlich ist, dass die kleine Nasszelle später eingebaut wurde. Vorher war dies ein Zimmer in diesem Haus, in dem in den 1920er Jahren vielleicht zehn Arbeiter auf die nächste Schicht gewartet haben.

Verdammt ich muss heute wieder raus. Und so früh.
Sei still
(einer schnarcht)
(der erste nestelt herum murmelt etwas von eisenzerbiegen und hartem Brot)
(flüstert) sei still.
(wütendes umdrehen)
Die Tür geht auf. Schwere Stiefel.
GUTEN MORGEN. Ich habe Kaffee für alle mitgebracht.
(eine Sockenknäuel fliegt durch den Raum)
(Frühschicht-Mann steht auf. Nimmt einen Kaffe. Schlürft. Murmelt etwas)
(Tür schließt sich)
(Spätschicht-Mann nestelt, wäscht sich, im Hintergrund schnarchen)
(murmelt was von Undankbar und Kaffee)
(legt sich hin)
(Schnarchen)