Heute / ein bisschen Nachts (Buch) von Mercedes Lauenstein

Heute schaue ich aus dem Fenster,
es ist schon dunkel.
Verdeckt erkenne ich die Schatten der Bäume,
die erleuchteten Fenster der Nachbarn, wenn sie noch wach sind.
Ich stelle mir vor, wie es ist, jetzt dorthin zu gehen und zu klingeln,
so wie Mercedes Lauenstein es ihre Protagonistin in ihrem Kurzgeschichtenband
Nachts machen lässt.

Sie klingelt nachts an Türen, die zu erleuchteten Fenstern gehören,
um mit den Menschen dahinter zu sprechen.
Abenteuer und Einsamkeit, vielleicht sogar teilweise ein Versprechen,
letztlich bleibt der Blick in der Nacht geschärft, wie der des Mondes auf die Erde.
Die Schönheit. Die Zerstörung, sichtbar wie von der Raumstation ISS,
und am Ende ist sie, die Protagonisten selbst beobachtet,
in den Stunden der Lektüre – in meinem Fall auch teilweise Nachts.

Ein Buch, das einlädt, selbst das Abenteuer Nacht zu interpretieren.
Auch wenn die Häuser sehr nah sind, weiß ich nicht, wer sich hinter den Fenstern aufhält.
Lesen die Menschen Shakespeare Sonnette oder hören sich Walgesänge beim Bügeln an?
Welche Art von Walgesängen den überhaupt? Ich kann mir vorstellen, dass es Forscher gibt, die Walgesänge entschlüsseln um sie dann in einer Art einfache Sprache zu übersetzen.
Wale können anscheinend über sehr große Distanz kommunizieren. Könnte ich die Walgesänge der Nachbarn hören?
Hoffentlich sind es dann fröhliche Lieder.

Heute schaue ich aus dem Fenster,
es ist schon dunkel und die Lichter der Nachbarn interessieren mich auch nicht mehr,
ich starre mehr hinaus, versuche die Strukturen mit den Augen zu verbinden,
so ähnlich wie Malen nach Zahlen, nur mit Augapfel und Vorstellung,
ein Quaer, ein Rechteck, eine Pyramide, ein Fragzeichen
für das Rätsel, wie der Tabakindustrie in all ihrem turbokapitalistischen Antrieb
gelungen ist, Rauchen als etwas Rebellisches zu verkaufen.
Ich muss wieder Mad Man anschauen,
die erste Staffel zumindest.
Vielleicht mit einem der Nachbarn.