Hab ich gelesen: Serverland

Das Cover hat mir gleich gefallen, als ich die Besprechung in der Süddeutschen Zeitung gelesen habe. Das Buch hat mir auch sehr gut gefallen. Vom Ton her hat es mich zeitweilig auch an eines meiner Favoritenbücher 2017 von Roman Ehrlich erinnert – aber doch am Ende ganz anders.

DIe Handlung: Es gibt kein Internet mehr. Computer gibt es noch, aber nur noch auf dem Trödel, Flohmarkt oder Schrottplatz. Die Idee des Internet übt dennoch eine fast schon verzauberte Magie auf die handelnden Personen aus: Server, YouTube, Videos, Beamer. Aber all das ist nicht so magisch wie der Geist der vergangenen Epoche aus der all diese Dinge stammen: Unserer Zeit.

Was ist das also, dass unsere Zeit so besonders macht im Vergleich zum Serverland der Zukunft. Eine Gesellschaft irgendwo zwischen 1970ern und 1980ern in der das Internet abgeschaltet ist? Eine Zeit im Gegensatz zu unseren Jahren der scheinbaren Transparenz, in der alles in jedem Moment alles andere sein kann: Sicher und gefährlich. Heiß und kalt. Wichtig und unwichtig. Gut oder schlecht. Wahr oder ambivalent.

Smartphones gibt es in Serverland auch nicht. YouTube ist eine Verheißung.

Genau darin spiegelt sich aus der Zukunft des Buchs heraus unser Alltag. Im Internet aber auch im Verhalten der Menschen. Im Gegensatz zum Internet konnten bestimmte Verhaltensweisen jedoch nicht einfach abgeschaltet werden. Sie haben sich einfach an die geänderten Rahmenbedingungen angepasst: Eine Mischung aus Post-Internet-Trauma, reaktionärem Flash-Back, Neo-Hippie Romantik und Avantgarde. Alles konzentriert in einer alten Serverhalle vor an Autobatterien angeschlossenen Beamern: Die Revolution der Zukunft in den Räumen von gestern. Ein Abbild der Gegenwart.

Sicher kein Buch, für Leute, die noch nie gelesen haben und mal ein Buch ausprobieren möchten. Andererseits:Warum auch nicht. Es ist nicht besonders lang und im Verlauf wird genug Bier getrunken. Auf jeden Fall ein Buch für Leser, die sich inspirieren lassen möchten zum Gedanken schweifen lassen in die Zukunft und zum Reflektieren in Kombination mit einer Geschichte von Revolution, Liebe, Risiko und Gleichgültigkeit.

Was mich besonders freut ist, dass sich ein neuer Klang entwickelt in der Literatur junger, deutscher Autoren. Ein eigener Klang, der anders ist, als dass was man gemeinhin unter Literatur versteht. Von daher: Danke trotzdem SZ-Feuilleton für die Empfehlung.