Diese Fahrradstraße macht 4 Witze auf Deine Kosten

Adalbertstraße München, Maxvorstadt: Diese Fahrradstraße ist ein vierteiliger, hinterhältiger Witz. Diese Fahrradstraße verhöhnt alle Fahrradfahrer Münchens. Diese Fahrradstraße ist die Asfalt gewordene Demütigung jedes Radlers. Diese Fahrradstraße ist eine Zumutung. Diese Fahrradstraße ist gefährlich.

Witz 1: Die Einteilung
Von der Leopoldstraße bis zur Tengstraße ist die Adalbertstraße nämlich in vier(!) Unterfahrradstraßen eingeteilt, nämlich immer das jeweilige circa 500 Meter lange Teilstück bis zur nächsten Kreuzung. Damit die Fahrradfahrer bloß nicht übermütig werden und zu schnell fahren. Sonst könnten die Autos, LKWs, Transporter und SUVs die in normaler Geschwindigkeit einbiegen, entgegen kommen eventuell weniger schnell fahren.
Links uns rechts parken nämlich Autos, deren Insassen in manchen Fällen Türen öffnen und ausparken oder einparken mit unterschiedlicher Umsicht versteht sich. Immerhin bleiben dann noch ungefähr drei Meter befahrbare Fläche, die sich alle Verkehrsteilnehmer teilen. Für Fahrradfahrer bedeutet dies, sich auf einen halben Meter am Rand zu quetschen und den Raum zwischen parkenden SUVs und entgegenkommenden LKW bloß nicht falsch zu berechnen um zwischendurch von Autofahrern angehupt zu werden. Immerhin, theoretisch könnte man andere Fahrradfahrer überholen – aber halt, denn:

Witz 2: Die Ampeln
Jedes Fahrradstraßen-Teilstück endet an seiner jeweiligen Ampel. Zu Beginn, hatte ich die Erwartung die Ampelschaltung wäre auf den Radverkehr abgestimmt. Heute weiß ich: Das war dumm. Denn – ist ja eine Fahrradstraße. Ist ja aber egal, denn es ist auch eine Fahrradstraße, die in eine Autostraße (die Kreuzung) mündet Daher vermutlich Ampelsschaltung für Autofahrer oder gar nicht getaktet. Im Ergebnis bedeutet dies: Jedes Fahrradstraße Teilstück endet mit einer Ampel. Die Ampel ist rot.

Witz 3: Rechts vor links – warum nicht
Nach den ersten beiden Fahrradstraßen-Teilstücken mit jeweils roter Ampel kommt eine neue Schwierigkeitstufe dazu: Das dritte Fahrradstraße-Teilstück. Hier gibt es etwas Neues, richtig anspruchsvolles: rechts vor links.
Von rechts münden zwei Straßen in die Fahrradstraße ein, die extrem schwer einzusehen sind. Nicht prinzipiell, aber gerne werden hier von Leuten LKW, Transportet, Kleinbusse oder SUV geparkt – oder Baustellen errichtet.
Der motorisierte Verkehr, der hier einbiegt hat Vorfahrt und fährt auch so: Schnell. War was? Ich hab doch Vorfahrt.
Aber warum nicht. Auch Radler wachsen mit ihren Aufgaben – also fast anhalten und einsehen – und repeat. Erholen können sie sich an der nächsten Ampel. Die steht nämlich kurz darauf an und ist meistens rot.

Witz 4: Warum nicht noch etwas schmaler?
Wer die vierte rote Ampel an der meist spärlich befahrenen Arcisstraße erfolgreich abgewartet hat, ist bereit für die letzte Herausforderung: das vierte Fahrradstraßen-Teilstück entlang des alten Friedhofs.
Wie gewohnt parken links und rechts Autos. Außerdem ist der Fahrstreifen nun nochmals schmaler, so schmal, dass motorisierter Verkehr und Fahrräder nicht nebeneinander stattfinden können.
Die Frage besteht hier also darin: Wo ist die Lücke in den parkenden Autos zum Ausweichen? Wer gewinnt das Chicken Race?
Immerhin nach diesem Teilstück ist es geschafft, die Tengstraße erreicht, wo man ganz ohne Ampel einbiegen und seine Fahrt fortsetzen kann.

Ich frage mich, warum die Adalbertstraße ernsthaft als Fahrradstraße ausgezeichnet ist. Es ist auf meinem Arbeitswegs das aus meiner Sicht Aufmerksamkeitsfordernste Teilstück. Vom Fahrradstraßen-Charakter merke ich nichts.

Aus meiner Sicht wäre es ehrlicher die Fahrradstraßen-Schilder wieder abzuhängen. Das ist nicht Münchens 55. Fahrradstraße sondern ein Deckmäntelchen der Fahrradfreundlichkeit.